Israel

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24. Okt. bis 5. Nov. 2000:
REISEPROGRAMM - ISRAEL

Israel

1. Tag:
In die Wüste

Die Geistesgeschichte des jüdischen Volkes beginnt in der Wüste. Abraham durchquerte die Wüste zwischen Mesopotamien und dem Land Israel. Nach ägyptischer Sklaverei wurde das israelitische Volk nach vierzigjähriger Wüstenwanderung im Sinai zu einem freien Volk geformt. In der Wüste - in einer Umgebung, in der es sich uneingeschränkt der Beziehung zwischen sich und G'tt widmen kann - empfängt das Volk Israel die Torah.

Die Wanderzeit in der Wüste ist die schönste Phase der Liebe zwischen dem Volk (der Frau) und G'tt (dem Mann). "So spricht der Ewige: Ich gedenke dir die Wohltaten deiner Jugendzeit, die Liebe deiner Brautzeit, wie du mir in der Wüste gefolgt bist, in einem unbesäten Land" (Jeremiah 2,2). So wie Moses G'tt am Horeb in der Wüste Sinai zum ersten Mal begegnet und als Führer zu seinem Volk zurückkehrt, macht auch Jesus in der judäischen Wüste entscheidende Erfahrungen (Matthäus 4,1-4) und bereitet sich dort auf seine Aufgabe vor. Auch Mohammed schliesst sich nach seiner Erwählung einer Handelskarawane an, die die Wüste von Mekka nach Syrien durchquert. Auf diesen Reisen in der Wüste erfährt und lernt Mohammed von den Händlern über das Juden- und Christentum.

BaMidbarAuch wir beginnen unsere Reise im heiligen Land in der Wüste. Was ist ihr Zauber? Warum zieht sie uns an? Was symbolisierte die Wüste in der Vergangenheit und was hat sie uns heute zu sagen?

2. Tag:
Wüste und Werte

In der Wüste wird eine unmittelbare Verbindung zwischen dem Menschen und G'tt geschaffen. Wir hoffen, wie Abraham, das Versprechen G'ttes zu vernehmen: "Blicke doch zum Himmel und zähle die Sterne, wenn du sie zählen kannst; und er sprach zu ihm: so [zahlreich] werden deine Nachkommen sein" (Genesis 15,5).

Noch vor Tagesbeginn begeben wir uns in die Wüste. Wir beginnen mit dem Morgengebet, bei dem wir die Stille der Wüste wahrnehmen.

Die Wüste symbolisiert Universalismus, im Gegensatz zur jüdischen Verwirklichung im Lande Israel. Die Rabbinen schöpften ihre Werte aus dem Verhalten, aus der Lebensweise der Vorfahren und gaben diese an die nachfolgenden Generationen weiter. Nach der Besiedlung des Landes Israel wurde die Wüste zur Zufluchtsstätte für Menschen, die mit der Kultur und der Politik ihrer Umgebung nicht mehr einverstanden waren.

Auf der Fahrt entlang dem Toten Meer werden wir der symbolischen Bedeutung der Wüstenfestung Massada nachgehen, im Gegensatz zu En-Gedi, der Oase, die wir mit den Liebesliedern des Gesangs aller Gesänge (Hohelied) in Verbindung bringen.

Die Nacht verbringen wir - hoch über dem Toten Meer - in Metzoke Dragot.

Jam haMelach

3. Tag:
Wüste als Fluchtort

Der Wüste als Ort der Flucht ist der heutige Tag gewidmet, den wir mit einer Besichtigung von Qumran beginnen. Hier in der Wüste - fern vom Getöse der Zivilisation - vermag der Mensch eine Stimme zu vernehmen, die ihn zum Wesentlichen führt. Wir befassen uns eingehend mit der religiösen Überzeugung der Essener und entdecken, welche Elemente deren Lehren sowohl im Judentum als auch im Christentum periodisch wieder auftreten. Auf dem Hintergrund der sozial religiösen und politischen Wirren jener Zeit werden wir auch die Trennung der Wege von Judentum und Christentum zu verstehen versuchen. In Dir Hayila, dem Ort am Fluss Jordan, an dem gemäss der Tradition der Täufer Jesus getauft hat, werden wir lernen, wie das in Entstehung begriffene rabbinische Judentum und das frühe Christentum auf die damalige Krise verschieden reagiert haben.

Nach einem Mittagessen und einer verdienten Pause in der wunderschönen Oase von Almog begeben wir uns auf eine faszinierende Wanderung, auf der wir die Berge der judäischen Wüste im Lichte der untergehenden Sonne bewundern werden. Wir beenden diesen lehrreichen Tag mit einer auf einem biblischen Text basierenden Meditation.

4. Tag:
Von der Wüste in die Zivilisation - Jerusalem

Wir haben uns an die ablehnende Haltung der Wüste bereits gewöhnt. Die Wüste als scheinbares Symbol der Unfruchtbarkeit und Lebensfeindlichkeit hat sich uns offenbart als grenzenloser Raum der Orientierungslosigkeit aber auch als Quelle der Inspiration, der Freiheit des Geistes sowie der Geburt von Emotionen. Das Wandern in den unendlichen Weiten der Wüste hilft uns die eigene Identität wiederzufinden und wir erleben die bedeutungsvolle Zentralität des menschlichen Seins.

Wir begrüssen den neuen Tag bei Sonnenaufgang mit einer Meditation. Heute stellen wir die Verbindung zur Zivilisation wieder her. Nach dem Frühstück verlassen wir Metzoke Dragot mit Geländefahrzeugen. Die Route führt uns durch wildes, unwegsames Gelände. Unterwegs lernen wir über das Thema "Das Zelt - Ausdruck des Lebensstils". Nach einem Halt in Mar Saba erreichen wir nach mehrstündiger Fahrt Jerusalem - das geistige, religiöse sowie spirituelle Zentrum der grossen Weltreligionen. Noch vor der Ankunft in Jerusalem halten wir einen Schiur über "Zion beZijunejha - Attribute Jerusalems".

Nach dem Mittagessen besuchen wir die Altstadt Jerusalems aus jüdischer, christlicher und islamischer Sicht. Abendessen und Abend nach individueller Gestaltung.

5. Tag:
Jerusalem - Ort der Spiritualität

"Tor des Himmels", "Ort, der Erde und Himmel verbindet". Dies sind nur zwei der unzähligen Beschreibungen Jerusalems in der jüdischen Tradition. Im Gegensatz zum Berg Sinai - wo sich G'tt dem Volk Israel offenbarte, und der im Judentum in keiner Weise als heilig gilt - ist Jerusalem gerade deshalb heilig, weil hier zu allen Zeiten Menschen die Initiative ergriffen, G'tt zu suchen, ihm zu begegnen und ihm Raum zu verschaffen. Abraham hat auf dem Berg Moria in Jerusalem seinen Sohn Isaak an G'tt gebunden. Jakob träumte, dass dieser Ort das Tor zum Himmel sei. David machte Jerusalem zu seiner Hauptstadt und Salomo baute hier den Tempel. Unzählige Male wechselten hier die Machthaber, stets jedoch blieb Jerusalem spiritueller Mittelpunkt, auf den alle Zukunftshoffnungen der Juden gerichtet waren.

Anhand von Quellentexten, die wir während des heutigen Tages am Hebrew Union College (HUC) zusammen mit kompetenten Referenten studieren, versuchen wir die zentrale Stellung Jerusalems für das Judentum zu verstehen.

Am Abend bietet uns ein Vertreter des Islams mit einem Referat über "Die Bedeutung Jerusalems im Islam" eine Einführung in die Thematik des morgigen Tages.

6. Tag:
Begegnung mit dem Islam

Vom Freitag in den Samstag und den Sonntag gleiten wir von einem Ruhetag zum anderen. Dem Freitag – dem geheiligten Tag des Islam – folgt der Schabbat. Nach dessen Ende ist es Sonntag, der christliche Tag der Ruhe. Von einer Heiligkeit zur anderen, und all dies im heiligen Land!

Am Morgen fahren wir in das arabisch-islamische Dorf Abu Gosch. Dieser Ort bewahrte seine islamische Identität über Jahrhunderte. Mit dem Beginn der jüdischen Einwanderung, noch zur Zeit des britischen Mandats (1918–1948), als rund um Abu Gosch jüdische Siedlungen entstanden, wurden enge freundschaftliche Bande geknüpft. Dieser Freundschaft, auch dem israelischen Staat gegenüber, blieb man in Abu Gosch treu.

In Abu Gosch werden wir uns mit dem Islam und mit dem Problem der Integration von Muslims in die israelische Gesellschaft auseinandersetzen. Wir werden eine Einführung in das islamische Rechtssystem erhalten, das die Fiqah umfasst, das Religionsgesetz, das auf die Lebensweise des Propheten Mohammed Bezug nimmt und die Scharia, das eigentliche islamische Recht. Wir lassen uns über die Konfrontation zwischen der islamischen Tradition und den säkularen Gesetzen des israelischen Staats informieren. Zum Mittagessen sind wir im Haus von Issa Jabar eingeladen, dem Verantwortlichen der Gemeindebehörde für das Schulwesen, der auch im Trialog zwischen Juden, Christen und Muslims engagiert ist.

Am Nachmittag verabschieden wir uns vom islamischen Freitag und bereiten uns auf den Schabbat vor. Wir werden gemeinsam das Gebet zu Kabbalat-Schabbat in der Synagoge der "Bewegung für fortschrittliches Judentum" besuchen. Abenteuerlustige können samstags früh (04.00 Uhr) zu den Bakaschot (Bittgebeten) aufstehen, die in der Synagoge der aus Aleppo stammenden Juden gebetet werden. Dabei handelt es sich um Gesänge und liturgische Gedichte, die jeweils am Morgen des Schabbat, vor Sonnenaufgang, gesungen werden.

7. Tag:
Schabbat in Jerusalem

"Gedenke des Schabbattages, ihn zu heiligen".

In der besonderen, geheiligten Stimmung Jerusalems geniessen wir nach einer anspruchsvollen Woche körperlich, geistig und seelisch den verdienten Ruhetag. Es gibt wohl kaum eine andere Stadt auf der Welt, in der besonders am Schabbat die Vielfalt jüdisch-religiöser Strömungen so deutlich zum Ausdruck kommt. Deshalb bietet sich für uns die Gelegenheit, je nach eigener Überzeugung und Interesse, am Morgen verschiedenartige G'ttesdienste zu besuchen.

In verschiedenen Familien sind wir zu einem traditionellen Schabbatmittagessen eingeladen. Eine Stunde vor Ende des Schabbats treffen wir uns zu einem Schiur über den Wochenabschnitt "Noach". Wir sprechen über "Gewalt und Destruktion im Kontext der innerjüdischen Zerrissenheit". Nach dem traditionellen Hawdala-Ritual, zur Verabschiedung des Schabbats, geniessen wir das Abendessen in einem vegetarischen Restaurant.

Jerusalem - Leiden und Auferstehung

Christen feiern seit dem 4. Jahrhundert ihren vom jüdischen Schabbat inspirierten Ruhetag am Sonntag. Der Ursprung der christlichen Sonntagsfeier liegt jedoch zunächst im Ereignis der Auferweckung Jesu. Unter der kundigen Leitung von Père Pierre Lenhard und Petra Held, Theologen, die schon seit vielen Jahren in Jerusalem leben und eine profunde Kenntnis der Kirche und deren Geschichte im Heiligen Land besitzen, setzen wir uns am heutigen Abend mit der spezifischen Bedeutung Jerusalems in der christlichen Kirche auseinander und lernen insbesondere die Spiritualität der Ostkirche in Jerusalem kennen.

Abschluss dieses Abends und Höhepunkt zugleich bildet zu mitternächtlicher Stunde der Besuch eines griechisch-orthodoxen G'ttesdienstes in Getsemaneh.

8. Tag:
Der arabisch-israelische Konflikt - 50 Jahre Krieg und Frieden

"Es ist nicht gesagt, dass es besser werden wird - wenn es anders wird.
Wenn es aber besser werden soll - muss es anders werden".

Georg Christoph Lichtenberg, 1742-1799

50 Jahre Israel; das sind 50 Jahre Leben und Alltag in einer Situation, die überwiegend durch Anspannung, Verluste, Konflikte, Einwanderung sowie Kriegserlebnisse gekennzeichnet sind. Auch für die palästinensische Bevölkerung in und um Israel bedeutet diese Periode bis heute immer noch menschliche Opfer, Entbehrungen und Diskriminierung sowie Ringen um Anerkennung und Selbständigkeit.

Der heutige Tag ist vollumfänglich dieser Problematik gewidmet. Nach einer Fahrt via Tel Aviv und anschliessend Richtung Haifa gelangen wir nach Givat Haviva. Givat Haviva, ein Lern- und Begegnunszentrum der Haschomer Hatzair-Bewegung, liegt im nördlichen Sharon Tal und wurde im Jahre 1949 gegründet. Givat Haviva ist die grösste und älteste Institution in Israel, die sich für jüdisch-arabische Verständigung einsetzt.

"Givat Haviva hat bewiesen, dass ein gemeinsames Leben zwischen dem jüdischen und arabischen Volk kein Traum sondern Wirklichkeit ist".

Muhamad Basiuni, ägyptischer Botschafter in Israel

In Givat Haviva nehmen wir an einem Seminar über jüdisch-arabische Verständigung teil, wir sprechen über Koexistenz und Partnerschaft sowie über Möglichkeiten der Konfliktlösung und analysieren Alternativen des zukünftigen friedlichen und menschenwürdigen Zusammenlebens von Arabern und Juden in Israel. Selbstverständlich bietet sich uns auch die Möglichkeit mit Arabern dieser Gegend (auch jenseits der "grünen Linie") ins direkte Gespräch zu kommen und einen Gedankenaustausch zu vollziehen.

9. Tag:
Besuch an der grünen Linie - Malkiya

Am Morgen setzen wir unser Programm in Givat Haviva fort. Wir nehmen Einblick in die mutige Arbeit von Givat Haviva für die Verständigung zwischen Arabern und Juden. "Frieden braucht Verständigung" bedeutet für Givat Haviva die Basis aller Arbeits- und Forschungsprogramme im Rahmen des "Jewish-Arab Center for Peace". Wir lernen die einzelnen Programme kennen, wie z.B. "Children Teaching Children", oder die "Arabic Teachers' Conference", und besprechen die Zielsetzungen des "Department of Community and Social Involvment" oder des "Counceling Center for Peace Education".

Wir fahren entlang der "grünen Linie" und besuchen Barta'a, ein Dorf welches durch die "grüne Linie" in einen israelischen und einen palästinensischen Teil gespalten wird (ein Dorf mit "gespaltener Persönlichkeit"), und lassen uns von dort lebenden Arabern ihre Lebensgeschichte erzählen. Sie vermitteln uns Ihre Ansichten und Gefühle zu dem bestehenden Konflikt und den menschlichen Tragödien, die sich dort abspielen.

Nach dem Mittagessen verlassen wir Givat Haviva in Richtung Afula. Die Fahrt führt uns durch die hügelige Landschaft von Um el-Fahm in die Ebene des Emek Israel. Unser Ziel ist der Kibbutz Malkiya, welcher im Jahre 1949 durch Veteranen des Unabhängigkeitskrieges gegründet wurde. Malkiya liegt unmittelbar an der libanesischen Grenze und blickt über das Huleh-Tal auf die Golanhöhen und das Chermon-Massiv. Auch Malkiya bemüht sich intensiv um den jüdisch-arabischen Dialog. Malkiya pflegt enge Beziehungen mit den arabischen Siedlungen in dieser Gegend und wir werden die Gelegenheit haben in Gush-Halaw (El-Jish) die arabische Gastfreundschaft zu erleben. Nach Möglichkeit werden wir einem islamischen Abendg'ttesdienst beiwohnen und anschliessend in Gruppen bei arabischen Familien essen. Mit ihnen können wir uns über das Zusammenleben verschiedener religiöser und ethnischen Gruppen unterhalten. Wir dürfen auch "kritische" Fragen stellen!

10. Tag:
Dein G'tt freut sich Deiner

Tagtäglich finden an der 40 km langen Sicherheitszone innerhalb von Libanon Kämpfe zwischen der israelischen Armee und deren christlichen Verbündeten einerseits und den Hisbolla Milizen andererseits statt. Die Sicherheitszone soll den permanenten Beschuss israelischer Siedlungen verhindern.

Nach einem ausgiebigen Kibbutz-Frühstück in Malkiya erhalten wir am heutigen Morgen die Gelegenheit, die Grenzstrasse zwischen Israel und dem Libanon zu befahren, und uns vor Ort über die geo-strategische und geo-politische Lage zu informieren. In einer Militärbasis - in einem Gespräch mit israelischen Soldaten - lernen wir auch weniger bekannte, überraschende Aspekte des blutigen Krieges kennen.

Nach dem Mittagessen führt uns unsere Reise nach Safed, dem Hauptort Obergaliläas. Besonders während des 16. Jahrhunderts lebten hier hervorragende Rabbiner und Kabbalisten wie Schlomo Alkabez, Moses Cordovero, Josef Karo (Verfasser des bis heute wichtigsten Gesetzeskodex, dem Schulchan Aruch), Jizchak Luria und Chajim Vital. Unser Führer aus Safed (dessen Familie bereits seit zehn Generationen in Safed ansässig ist) zeigt uns das Städtchen und seine Synagogen, erläutert uns deren Geschichte und bringt uns die mystische Atmosphäre dieser Stadt näher.

Zurück in Malkiya - nach dem Nachtessen - befassen wir uns in einem Schiur und einer Meditation in der Synagoge, welche eine ganz besondere Ausstrahlung besitzt, nochmals mit verschiedenen Aspekten der Kabbala.

11. Tag:
Glaube und Vertrauen

Wir verlassen die galiläischen Höhen und den Kibbuz Malkiya, und fahren in Richtung Wadi el-Amud. Einen Teil des Wadi werden wir zu Fuss in Richtung Ginossar durchwandern (ca. 3 Std.). Im Museum von Ginossar werden wir den speziellen Einfluss Galiläas auf die jüdische Geschichte kennen lernen und seine Bedeutung für das Christentum. Für beide Religionen ist Galiläa eine Quelle für den Glauben an den Schöpfer, den G'tt der zukünftigen Erlösung als auch eine Quelle für das Vertrauen an die Menschen, die im Ebenbild G'ttes geschaffen wurden.

Im Gegensatz zu Jerusalem, dem religiösen und dem daraus abgeleiteten politischen Machtzentrum, ist Galiläa eine Gegend, in der Menschen entsprechend ihren Traditionen eine mystische Beziehung zur Erde und zum Himmel haben.

Am Nachmittag fahren wir nach Tel Aviv - in den brodelnden israelischen Alltag - zurück.

12. Tag:
Religion - Säkularismus - Gesellschaft
- ein innerjüdischer Konflikt

An diesem Tag werden wir zwei geistig-soziale Brennpunkte der israelischen Gesellschaft kennenlernen. Vormittags besuchen und besichtigen wir die Bar-Ilan-Universität. Diese religiöse Universität umfasst sowohl eine Jeschiwah als auch geistes-, sozial- und naturwissenschaftliche Fakultäten. Wir werden den Bibelprofessor Uriel Simon treffen, der als "religiöser Linker" betrachtet wird. Er wird uns in die vielschichtige religiös-halachische Problematik einführen.

Von dort begeben wir uns zur Universität Tel Aviv, die als Hochburg des israelischen Säkularismus betrachtet wird und die eine vollständige Trennung von Religion und Staat anstrebt. Wir werden mit dem Historiker Prof. Dan Diner (Spezialist für jüdische Zeitgeschichte) zusammentreffen. Von ihm werden wir mehr über den israelischen Historikerstreit im Zusammenhang mit der Staatsgründung erfahren. Sind die Gründer des Staats in der Rolle des schwachen, aber intelligenten David zu sehen, der gegen sieben arabische Staaten - Goliath - kämpft? Wie war die Lage tatsächlich auf der palästinensischen Seite? Auf dem Campus werden wir die gegenwärtig modernste Synagoge der Welt besuchen, die von dem Schweizer Juden Norbert Cymbalista gestiftet und vom berühmten Schweizer Architekten, dem Katholiken Mario Botta, geplant wurde.

Zurück im Hotel versuchen wir gemeinsam unsere Eindrücke und Erfahrungen dieser Reise emotionell etwas zu "verdauen" und zu ordnen. Was nehmen wir von der Reise mit nach Hause? Das gemeinsame Nachtessen mit einem kühlen Wind vom Meer wird zu unserer inneren Beruhigung beitragen.

13. Tag:
"Razo Waschow"
- hingehen und zurückkehren (Ez. 1,14)

Wir sind hingefahren und kehren wieder zurück. Wir sind hingefahren um zu lernen, zu erfahren und zu sehen. Heute heisst es Abschied nehmen und zurückkehren von einem Erlebnis, von einem Land mit seiner gewaltigen historischen und kulturellen Vergangenheit, einer Völkergemeinschaft mit seiner religiösen und politischen Zerrissenheit, einem Land mit tiefer Spiritualität.

In den vergangenen Tagen haben wir viel gelernt; wir haben versucht, Menschen mit ihren verschiedensten Ansichten und Bedürfnissen zu verstehen, und wir haben unsere eigene Erfahrungswelt und unsere Gedanken innerhalb eines tief komplexen Umfeldes neu zu ordnen versucht.

Wir kehren zurück - zurück zu uns selbst!

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