Juden in der Ukraine

[BALTIKUM]
[ISRAEL]
[MAROKKO]
[UKRAINE]
[USA]
[KONTAKT]
 

11. bis 25. Juni 2000
REISEPROGRAMM - UKRAINE

IM LAND AN DER GRENZE:
Auf den Spuren des B'al Schem Tow

1. Tag:
Zürich - Kiev

Flug von Zürich nach Kiev, der Geburtsstadt von Golda Meir. Wanderung zusammen mit der bekannten ukrainischen Fotografin Rita Ostrowskaja durch die Altstadt von Kiev. Abendprogramm nach Möglichkeit.

2. Tag:
Kiev - L'viv

City Tour mit Besuch der Gedenkstätte Babyj Jar. Am Abend Weiterfahrt mit dem Nachtzug nach L'viv (Lemberg).

3. Tag:
L'viv

Besichtigung von L'viv, der Geburtsstadt von Scholem Alejchem. In L'viv leben heute noch etwa 5'000 Juden. In Begleitung des Historikers Prof. Dr. Jakub Honigsman besuchen wir die Altstadt sowie das alte jüdische Viertel mit den Überresten der ehemaligen Synagoge, genannt "Goldene Rose". Besichtigung des Denkmals für die Opfer des Ghettos und des Mahnmals des Janow Konzentrationslagers sowie des ehemaligen jüdischen Krankenhauses und dem Wohnhaus von Scholem Alejchem.

Am Abend nach Möglichkeit Besuch in der Lemberger Oper.

4. Tag:
Brody

Ausflug nach Brody, dem Geburtsort von Joseph Roth. Unterwegs, in einem polnischen Schloss aus dem 17. Jh. in Oles'ko, besichtigen wir eine der schönsten Gobelin-Sammlungen in Europa.

Besuch der Schule, in der Joseph Roth sein Abitur machte und des altehrwürdigen Bahnhofes (der "letzten östlichen Bahnstation der Monarchie"), welchen Joseph Roth in seinem Roman "Radetzkymarsch" beschrieben hat.

Zusammen mit Frau Tamara Galperina - einer Zeitzeugin des Massakers von Berdichev - besuchen wir den sehr eindrücklichen Friedhof von Brody mit seinen teilweisen über 2 Meter hohen Grabsteinen sowie die in unmittelbarer Nähe gelegenen Massengräber.

5. Tag:
Drohobycz

Der Weg führt uns durch eine liebliche Landschaft, durch verschlafene Dörfer nach Drohobycz, dem Geburtsort von Bruno Schulz.

Drohobycz, das gallizische Pennsylvania oder Kalifornien genannt, war einstmal von grösster wirtschaftlicher Bedeutung, vorallem seine grossen Erdölvorkommen und Petroleumraffinerien.
Vor dem Krieg bestand die Bevölkerung von Drohobycz aus 36.000 Einwohner, wovon 19.500 jüdischen Glaubens waren.

Herr Maurici Wais, welcher den Schlüssel zur alten Synagoge in Drohobycz besitzt und mit seinen 92 Jahren über grosse Kenntnisse der Geschichte von Drohobycz verfügt, wird uns in die Synagoge sowie zu weiteren jüdisch-historischen Plätzen (u.a. den Massengräber von Bronica, wo ca. 12.000 Juden erschossen wurden) führen. Die Synagoge in Drohobycz ist 160 Jahre alt und war einstmals die schönste Synagoge Galliziens.

Der jüdische Friedhof von Drohobycz wurde zur Zeit Stalins auch zur Beerdigung nichtjüdischer Menschen benützt, als bei der Einführung des Kolchosesystems grosse Hungersnöte entstanden, die vielen Menschen das Leben kosteten, sowie bei den Verbrennungen während den grossen Epidemien zu Beginn dieses Jahrhunderts.

6. Tag:
L'viv - Czortkow - Chernivtsy

Fahrt über Buczacz (Geburtsort von Samuel J. Agnon und Simon Wiesenthal) nach Czortkow. Czortkow war Sitz des chassidischen Wunderrrabbis Friedmann, der in vielen Orten Ostgaliziens seine Anhänger hatte. Mit den Juden von Buczacz jedoch war der "Czortkower Rebbe" dauernd im Streit.

"In Buczacz wohnen Misnagdim, harte, nüchterne Leute, die vor allem die Bibel ehren, den Talmud aber nur insoweit, als er die Bibel erläutert. Sie halten die zehn Gebote für wichtiger als alles andere, erklären sich die Wunder in möglichst natürlicher Art, sind jedoch im übrigen jeder überflüssigen Grübelei abgeneigt..."

Karl Emil Franzos

Gegen Abend erreichen wir Chernivtsy, die Geburtsstadt von Paul Celan.

7. Tag:
Chernivtsy

Chernivtsy (Czernowitz) war das Zentrum des jüdischen Lebens in der ehemaligen Bukowina. Vor dem Krieg lebten 93.000 Menschen in Chernivtsy, wovon ca. 60.000 Juden. 1908 fand die 1. Sprachkonferenz in Chernivtsy statt, an welcher Jiddisch zur nationalen jüdischen Sprache ernannt wurde. Heute leben noch etwa 6.000 Juden in Chernivtsy.

Gottesdienst mit Rabbi Noikh Kofmansky in der alten Synagoge mit ihren grossartigen Wandmalereien. "Walking Tour" durch das alte jüdische Quartier. Am Abend treffen wir uns im Diaspora-Museum mit Prof. Dr. P. Rychlo, Leiter des Bukowina-Instituts an der Universität Chernivtsy, zu einem Vortrag über das vergangene jüdische Leben in Czernowitz.

8. Tag:
Chernivtsy - Vishniz

Treffen mit dem bekannten jiddischen Schriftsteller Josef Burg. Gemeinsamer Besuch von Vyzhnytsia (Vishniz, dem Sitz des "Vishnizer Rebbe"), der Geburtsstadt von Josef Burg.

9. Tag:
Chernivtsy - Sadagora

Besichtigung von Czernowitz. Wir treffen uns mit Rosa Roth-Zuckermann und Matthias Zwilling, welcher als Gefangener das Ghetto von Chernivtsy überlebte. Wir besuchen eine jüdische Schule, die ehemalige Zentralsynagoge (heute ein Kino), wo einst Joseph Schmitt gesungen hatte, den grossangelegten Friedhof sowie Sadagora, dem ehemaligen Sitz des Wunderrabbis Friedmann.

10. Tag:
Chernivtsy - Vinnytsia

Ba'al Schem TowFahrt via Chotin und Medzhybizh nach Vinnytsia. Medzhybizh war die bedeutendste jüdische Stadt Podoliens während der polnischen Periode und Grabstätte des Begründers des Chassidismus und grossen Wunderrabbis Israel ben Elieser Ba'al Schem Tow (1700-1760). Dort besuchen wir auch die mittelalterliche Burg mit dem sich darin befindenden Museum.

Chotyn war ein sehr bedeutendes jüdisches Zentrum mit ca. 19.000 jüdischen Einwohnern (auf eine Bevölkerung von 35.000), 36 Synagogen und berühmten jüdischen Schulen. Heute leben nur noch einige wenige Juden in Chotyn. Auf dem Weg, vor Vinnytsia, liegen die beiden alten Friedhöfe Stanislavdick und Morava mit noch sehr gut erhaltenen Grabsteinen. In Vinnytsia wird eine alte Synagoge komplet neu gestaltet und renoviert (heute leben ca. 200 Juden in Vinnytsia, meist Nachkommen von Chassidim) und es herrscht wieder ein reges jüdisches Leben.

11. Tag:
Shargorod - Tulcin - Braclav

Ausflug nach dem malerischen, im östlichen Podolien gelegenen, Shargorod, einem der wenigen erhalten gebliebenen Stettl mit dem von Inna Fridkin privat und mit viel Liebe eingerichteten jüdischen Museum. Shargo-rod wurde während des II. Weltkrieges nicht zerstört, da sich der Ort unter rumänischer Besatzung befand.

Wir fahren weiter nach Tulcin, wo sich die Kaserne des berühmten General Suwarov befindet, sowie das Gelände des ehemaligen Lagers (Sanatorium) von Petschora. Zu Fuss begeben wir uns in den nahegelegenen Wald, in welchem grossangelegte Massenerschiessungen stattfanden.

In Braclav treffen wir mit dem Zeitzeugen David Geller zu sammen, der ausser Ukrainisch nur Jiddisch spricht. Während dem Krieg diente er in der russischen Armee in Sibirien und kehrte nach dem Krieg wieder in seinen Heimatort zurück.

Wir besuchen den romantischen - auf einem Hügel gelegenen - Friedhof, wo viele Zadikims begraben sind. Hier befindet sich auch das schlichte Grab des Rabbi Nathan Stern Herz, ein Schüler des Rabbi Nachman von Braclav.

12. Tag:
Vinnytsia - Berdyciv - Odessa

Fahrt via Berdyciv, dem Wirkungsort des Wunderrabbis Levi Isaak von Berdyciv (der "Berdyczewer") nach Kiev. In Berdyciv lebten vor dem Krieg 30.000 Juden (ca. 50% der Stadtbevölkerung). Berdyciv wurde auch die heimliche Jüdische Hauptstadt der Stetljuden im Russischen Reich genannt ("Berditdchew is schejn, ach wolt es nor mein gewen!"), und die Juden spielten dort in sämtlichen Lebensbereichen eine wichtige Rolle. Zusammentreffen mit der Zeitzeugin Ella Vanshelboym und Besuch in der gut erhaltenen Synagoge mit Rabbi Shlomo Breuer.

Wir besuchen auch den einsamen Friedhof, wo sich das Grabmal des "Berdyczewer Rebbe" befindet. Auch begeben wir uns zur Sankt-Barbara-Kirche, in deren Keller die Nazis 960 politische Häftlinge, darunter eine grosse Zahl von Juden, erschossen haben, und die in einem Massengrab hinter der Kirche begraben sind. Abendflug von Kiev nach Odessa.

13. Tag:
Odessa

Besichtigung von Odessa, wo auch der Schriftsteller Isaak Babel lebte. Besuch des Literaturmuseums sowie Spaziergang durch die Moldawanka, ein "Arme-Leute-Viertel" mit einst grosser jüdischer Bevölkerung (Wirkungsstätte von Babels Gangsterkönig "Benja Krieg"). Besuch der jüdischen Gemeinde und ihren Institutionen und wenn möglich Gespräch mit Vertretern der "Gesellschaft zur Pflege der jüdischen Kultur" sowie mit dem Herausgeber der einzigen jüdischen Zeitschrift der Ukraine "Mameloschn".

14. Tag:
Odessa

Schabbat in Odessa. Besichtigung der einzigen noch "funktionierenden" Synagoge Odessas. Nach Möglichkeit Besuch in der berühmten Oper, wo u.a. Künstler wie Tschaikowskij, Rimski-Korsakow, Glazunow und Schaljapin wirkten.

15. Tag:
Odessa - Zürich

Am Morgen Ausflug mit dem Boot. Rückflug nach Zürich.

Änderungen vorbehalten