1. Tag:
Zürich - Kiev
Flug von Zürich nach Kiev, der Geburtsstadt von Golda Meir. Wanderung
zusammen mit der bekannten ukrainischen Fotografin Rita Ostrowskaja durch die Altstadt von
Kiev. Abendprogramm nach Möglichkeit.
2. Tag:
Kiev - L'viv
City Tour mit Besuch der Gedenkstätte Babyj Jar. Am Abend Weiterfahrt mit dem
Nachtzug nach L'viv (Lemberg).
3. Tag:
L'viv
| Besichtigung von L'viv, der Geburtsstadt von Scholem Alejchem. In
L'viv leben heute noch etwa 5'000 Juden. In Begleitung des Historikers Prof. Dr. Jakub
Honigsman besuchen wir die Altstadt sowie das alte jüdische Viertel mit den Überresten
der ehemaligen Synagoge, genannt "Goldene Rose". Besichtigung des Denkmals für
die Opfer des Ghettos und des Mahnmals des Janow Konzentrationslagers sowie des ehemaligen
jüdischen Krankenhauses und dem Wohnhaus von Scholem Alejchem. Am Abend nach
Möglichkeit Besuch in der Lemberger Oper. |
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4. Tag:
Brody
Ausflug nach Brody, dem Geburtsort von Joseph Roth. Unterwegs, in einem
polnischen Schloss aus dem 17. Jh. in Oles'ko, besichtigen wir eine der schönsten
Gobelin-Sammlungen in Europa.
Besuch der Schule, in der Joseph Roth sein Abitur machte und des altehrwürdigen
Bahnhofes (der "letzten östlichen Bahnstation der Monarchie"), welchen
Joseph Roth in seinem Roman "Radetzkymarsch" beschrieben hat.
Zusammen mit Frau Tamara Galperina - einer Zeitzeugin des Massakers von
Berdichev - besuchen wir den sehr eindrücklichen Friedhof von Brody mit seinen teilweisen
über 2 Meter hohen Grabsteinen sowie die in unmittelbarer Nähe gelegenen Massengräber.
5. Tag:
Drohobycz
Der Weg führt uns durch eine liebliche Landschaft, durch verschlafene Dörfer
nach Drohobycz, dem Geburtsort von Bruno Schulz.
Drohobycz, das gallizische Pennsylvania oder
Kalifornien genannt, war einstmal von grösster wirtschaftlicher Bedeutung, vorallem seine
grossen Erdölvorkommen und Petroleumraffinerien.
Vor dem Krieg bestand die Bevölkerung von Drohobycz aus 36.000 Einwohner, wovon
19.500 jüdischen Glaubens waren.
Herr Maurici Wais, welcher den Schlüssel zur alten Synagoge in Drohobycz
besitzt und mit seinen 92 Jahren über grosse Kenntnisse der Geschichte von Drohobycz
verfügt, wird uns in die Synagoge sowie zu weiteren jüdisch-historischen Plätzen (u.a.
den Massengräber von Bronica, wo ca. 12.000 Juden erschossen wurden) führen. Die
Synagoge in Drohobycz ist 160 Jahre alt und war einstmals die schönste Synagoge
Galliziens.
Der jüdische Friedhof von Drohobycz wurde zur Zeit Stalins auch zur Beerdigung
nichtjüdischer Menschen benützt, als bei der Einführung des Kolchosesystems grosse
Hungersnöte entstanden, die vielen Menschen das Leben kosteten, sowie bei den
Verbrennungen während den grossen Epidemien zu Beginn dieses Jahrhunderts.
6. Tag:
L'viv - Czortkow - Chernivtsy
Fahrt über Buczacz (Geburtsort von Samuel J. Agnon und Simon Wiesenthal) nach
Czortkow. Czortkow war Sitz des chassidischen Wunderrrabbis Friedmann, der in vielen Orten
Ostgaliziens seine Anhänger hatte. Mit den Juden von Buczacz jedoch war der
"Czortkower Rebbe" dauernd im Streit.
"In Buczacz wohnen Misnagdim, harte,
nüchterne Leute, die vor allem die Bibel ehren, den Talmud aber nur insoweit, als er die
Bibel erläutert. Sie halten die zehn Gebote für wichtiger als alles andere, erklären
sich die Wunder in möglichst natürlicher Art, sind jedoch im übrigen jeder
überflüssigen Grübelei abgeneigt..."
Karl Emil Franzos
Gegen Abend erreichen wir Chernivtsy, die Geburtsstadt von
Paul Celan.
7. Tag:
Chernivtsy
Chernivtsy (Czernowitz) war das Zentrum des jüdischen Lebens in der
ehemaligen Bukowina. Vor dem Krieg lebten 93.000 Menschen in Chernivtsy, wovon ca. 60.000
Juden. 1908 fand die 1. Sprachkonferenz in Chernivtsy statt, an welcher Jiddisch zur
nationalen jüdischen Sprache ernannt wurde. Heute leben noch etwa 6.000 Juden in
Chernivtsy.
Gottesdienst mit Rabbi Noikh Kofmansky in der alten Synagoge mit ihren
grossartigen Wandmalereien. "Walking Tour" durch das alte jüdische Quartier. Am
Abend treffen wir uns im Diaspora-Museum mit Prof. Dr. P. Rychlo, Leiter des
Bukowina-Instituts an der Universität Chernivtsy, zu einem Vortrag über das vergangene
jüdische Leben in Czernowitz.
8. Tag:
Chernivtsy - Vishniz
Treffen mit dem bekannten jiddischen Schriftsteller Josef Burg. Gemeinsamer
Besuch von Vyzhnytsia (Vishniz, dem Sitz des "Vishnizer Rebbe"), der
Geburtsstadt von Josef Burg.
9. Tag:
Chernivtsy - Sadagora
Besichtigung von Czernowitz. Wir treffen uns mit Rosa Roth-Zuckermann und
Matthias Zwilling, welcher als Gefangener das Ghetto von Chernivtsy überlebte. Wir
besuchen eine jüdische Schule, die ehemalige Zentralsynagoge (heute ein Kino), wo einst
Joseph Schmitt gesungen hatte, den grossangelegten Friedhof sowie Sadagora, dem ehemaligen
Sitz des Wunderrabbis Friedmann.
10. Tag:
Chernivtsy - Vinnytsia
Fahrt via Chotin
und Medzhybizh nach Vinnytsia. Medzhybizh war die bedeutendste jüdische Stadt Podoliens
während der polnischen Periode und Grabstätte des Begründers des Chassidismus und
grossen Wunderrabbis Israel ben Elieser Ba'al Schem Tow (1700-1760). Dort besuchen wir
auch die mittelalterliche Burg mit dem sich darin befindenden Museum.
Chotyn war ein sehr bedeutendes jüdisches Zentrum mit ca. 19.000 jüdischen
Einwohnern (auf eine Bevölkerung von 35.000), 36 Synagogen und berühmten jüdischen
Schulen. Heute leben nur noch einige wenige Juden in Chotyn. Auf dem Weg, vor Vinnytsia,
liegen die beiden alten Friedhöfe Stanislavdick und Morava mit noch sehr gut erhaltenen
Grabsteinen. In Vinnytsia wird eine alte Synagoge komplet neu gestaltet und renoviert
(heute leben ca. 200 Juden in Vinnytsia, meist Nachkommen von Chassidim) und es herrscht
wieder ein reges jüdisches Leben.
11. Tag:
Shargorod - Tulcin - Braclav
Ausflug nach dem malerischen, im östlichen Podolien gelegenen, Shargorod,
einem der wenigen erhalten gebliebenen Stettl mit dem von Inna Fridkin privat und mit viel
Liebe eingerichteten jüdischen Museum. Shargo-rod wurde während des II. Weltkrieges
nicht zerstört, da sich der Ort unter rumänischer Besatzung befand.
Wir fahren weiter nach Tulcin, wo sich die Kaserne des berühmten General
Suwarov befindet, sowie das Gelände des ehemaligen Lagers (Sanatorium) von Petschora. Zu
Fuss begeben wir uns in den nahegelegenen Wald, in welchem grossangelegte
Massenerschiessungen stattfanden.
In Braclav treffen wir mit dem Zeitzeugen David Geller zu sammen, der ausser
Ukrainisch nur Jiddisch spricht. Während dem Krieg diente er in der russischen Armee in
Sibirien und kehrte nach dem Krieg wieder in seinen Heimatort zurück.
| Wir besuchen den romantischen - auf einem Hügel gelegenen - Friedhof, wo viele
Zadikims begraben sind. Hier befindet sich auch das schlichte Grab des Rabbi Nathan Stern
Herz, ein Schüler des Rabbi Nachman von Braclav. |
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12. Tag:
Vinnytsia - Berdyciv - Odessa
Fahrt via Berdyciv, dem Wirkungsort des Wunderrabbis Levi
Isaak von Berdyciv (der "Berdyczewer") nach Kiev. In Berdyciv lebten vor dem
Krieg 30.000 Juden (ca. 50% der Stadtbevölkerung). Berdyciv wurde auch die heimliche
Jüdische Hauptstadt der Stetljuden
im Russischen Reich genannt ("Berditdchew is schejn, ach wolt es nor mein gewen!"),
und die Juden spielten dort in sämtlichen Lebensbereichen eine wichtige Rolle.
Zusammentreffen mit der Zeitzeugin Ella Vanshelboym und Besuch in der gut erhaltenen
Synagoge mit Rabbi Shlomo Breuer.
Wir besuchen auch den einsamen Friedhof, wo sich das Grabmal
des "Berdyczewer Rebbe" befindet. Auch begeben wir uns zur Sankt-Barbara-Kirche,
in deren Keller die Nazis 960 politische Häftlinge, darunter eine grosse Zahl von Juden,
erschossen haben, und die in einem Massengrab hinter der Kirche begraben sind. Abendflug
von Kiev nach Odessa.
13. Tag:
Odessa
Besichtigung von Odessa, wo auch der Schriftsteller Isaak
Babel lebte. Besuch des Literaturmuseums sowie Spaziergang durch die Moldawanka, ein
"Arme-Leute-Viertel" mit einst grosser jüdischer Bevölkerung (Wirkungsstätte
von Babels Gangsterkönig "Benja Krieg"). Besuch der jüdischen Gemeinde und
ihren Institutionen und wenn möglich Gespräch mit Vertretern der "Gesellschaft zur
Pflege der jüdischen Kultur" sowie mit dem Herausgeber der einzigen jüdischen
Zeitschrift der Ukraine "Mameloschn".
14. Tag:
Odessa
Schabbat in Odessa. Besichtigung der einzigen noch
"funktionierenden" Synagoge Odessas. Nach Möglichkeit Besuch in der berühmten
Oper, wo u.a. Künstler wie Tschaikowskij, Rimski-Korsakow, Glazunow und Schaljapin
wirkten.
15. Tag:
Odessa - Zürich
Am Morgen Ausflug mit dem Boot. Rückflug nach Zürich.
Änderungen vorbehalten
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